Tipps zur optimalen Lernumgebung und kreativen Raumgestaltung

In dem heutigen Beitrag möchten wir Dir Anregungen bzgl. einer kreativen Raumgestaltung und einer optimalen Lernatmosphäre für dein Nachhilfeinstitut geben. Denn ein ansprechender und produktiver Lernraum bietet viele Vorteile:

  • Aushängeschild qualitativ hochwertiger Nachhilfe
  • Präsentation der Lernräume durch Fotos auf der Homepage
  • Förderung der Lernprozesse der Schüler/innen
  • Steigerung der Motivation der Lernenden und Lehrenden
  • Differenzierungsmerkmal zur Konkurrenz

Studien belegen, dass die Lernatmosphäre einen starken Einfluss auf das Lernverhalten ausübt.1,2 Die Lernatmosphäre ist ein weit gefasster Begriff und umfasst z. B. Raumgestaltung und -ausstattung (v. a. Mobiliar, Einrichtungsgegenstände, Temperaturregler, Lampen, farbliche Gestaltung), Lerngegenstände (v. a. technische Geräte, digitale Medien, lernunterstützende Hilfsmittel) sowie Unterrichtsmaterialien und -formen.2

Bei meiner Recherche für diesen Newsletter ist mir aufgefallen, dass nur sehr wenige Nachhilfeschulen Fotos ihrer Räumlichkeiten auf der Homepage präsentieren. Hast Du in deinem Institut nicht auch großartige Lernräume? Wenn ja, dann zeige diese doch interessierten Kunden, denn das hebt dich positiv hervor und erweckt Vertrauen bei Eltern und Schüler/innen! Falls es noch Nachholbedarf gibt, kommen im Folgenden einige Tipps zur optimalen Raumgestaltung, die dir helfen das Beste aus deiner Nachhilfeschule zu machen.

 

Raumgestaltung

Die Raumgestaltung beeinflusst die Atmosphäre und entscheidet darüber, ob Schüler/innen gerne in einem Raum lernen. Einige Aspekte gehören jedoch definitiv zu einer gelungenen Raumgestaltung:

 

Farbgestaltung

Farben haben erwiesenermaßen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, Emotionen und unser Verhalten. Demnach können Farbakzente im Raum die Lernenden positiv beeinflussen. Doch welcher Farbe werden welche Eigenschaften nachgesagt?

Es werden grob drei Farbarten unterschieden: Die erregenden Farben (Warmfarben) wie z. B. Gelb, Orange, Lila oder Rot; die beruhigenden Farben (Kaltfarben), wie Blau und Grün sowie die avitalen Farben (Unbunt), dazu gehört Weiß, Grau und Schwarz.3

Wirkung ausgewählter Farben4

Weiß ist eine neutrale Farbe und steht für Sauberkeit, Frische und Einfachheit. Komplett weiße Räume wirken oft sehr steril und kalt. Weiß unterstützt nicht das Lernen, gleiches gilt für Grautöne. Jedoch lassen weiße Wände Räume groß wirken und eignen sich somit gut als Grundierung, um darauf aufbauend Akzente mit anderen Farben zu setzen.

Rot ist eine warme und ausdrucksstarke Farbe, die stimulierend und anregend wirkt. Rot regt den Stoffwechsel an und verbessert die Durchblutung des Organismus. Im Übermaß eingesetzt, kann diese Farbe Hyperaktivität und Aggression hervorrufen. Außerdem lässt Rot die Räume optisch kleiner erscheinen.  Um ausschließlich die Vorteile dieser Farbe zu nutzen, sollte rot sehr sparsam zur Hervorhebung einzelner Elemente angewendet werden.

Orange ist eine warme und energiereiche Farbe, die inspirierend wirkt und eine freundliche, warme und gemütliche Atmosphäre in Räumen schafft. Orange soll insbesondere zur Kommunikation einladen, eignet sich somit gut für Lernräume zur Spracherlernung. Außerdem eignet sich Orange, wie auch Gelb, für Räume mit wenig Sonnenlicht.

Gelb ist ebenfalls eine warme und energiereiche Farbe, die jedoch weniger intensiv als die bereits genannten Farben ist. Gelb steht für Optimismus, schafft eine positive Atmosphäre und soll sich so positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis auswirken. Wie orange lädt auch gelb zur Kommunikation ein.  Demnach erscheint gelb als eine gute Farbe für Räume zum Lernen und Kommunizieren. 

Grün ist eine beruhigende und regenerierende Farbe, die müde Augen entspannt und das Gefühl der Sicherheit steigert. Im Übermaß macht grün schläfrig und ist eher weniger für Personen geeignet, die Energie zum Handeln benötigen. In Räumen mit grünen Wänden können Gesichter blass und ungesund aussehen.

Blau gehört zu den kalten Farben und kann entspannend, beruhigend und entschleunigend wirken. Richtig eingesetzt fördert blau die Konzentration und hilft sich zu fokussieren. Jedoch können blaue Räume auch Distanz vermitteln und es sollte darauf geachtet werden, die Farbe Blau eher für helle Räume mit viel Sonnenlicht zu verwenden.

Der VNN rät:

Fragen Sie sich selbst einmal, unter welchen farblichen Bedingungen Sie am liebsten arbeiten würden. Legen Sie in den verschiedenen Räumen farbige Plakate aus, um die Farbwahl zu testen. Unterscheiden Sie zwischen hellen Räumen, die im Sommer evtl. sehr warm werden und eher dunkleren Räumen, die auch im Sommer schön kühl sind. Haben Sie den Mut, die einzelnen Räume unterschiedlich farblich zu gestalten.

Ein gelungenes Beispiel: Räumlichkeiten der Nachhilfeschule „Kluge Wahl“ in Bochum. Grundfarbe weiß mit farbigen Akzenten und Grünpflanzen

Lernumgebung Nachhilfeschulen

Beleuchtung

Nicht nur Farben wirken sich auf unsere Wahrnehmung aus, auch Licht beeinflusst unsere Stimmung maßgeblich. Wer kennt es nicht, ein sonniger Tag und man fühlt sich gleich viel vitaler und fitter. Tageslicht macht also wach und aktiv, während die Abendsonne entspannend und beruhigend wirkt. Auch beim Lernen hat Licht positiven Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Helle und lichtdurchflutete Räumlichkeiten mit natürlichem Licht eignen sich besonders gut als Lernräume.  Natürlich scheint nicht immer die Sonne, weshalb Du für deine Lernräume auf eine gute Beleuchtung achten solltest. Dabei gilt es die Farbtemperatur und die Beleuchtungsstärke zu beachten:

Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben. Es wird zwischen warmem, neutralem und kaltem Licht unterschieden. Bis 3.000 K handelt es sich um warmweißes, bis 5.000 K um neutralweißes und ab 5.000 K um kaltweißes Licht. Dem Tageslicht am nächsten kommt neutralweißes bis kaltweißes Licht und ist am besten geeignet, um die Lernenden in ihrer Konzentration zu unterstützen. Sollen die Schüler/innen beruhigt und zu Gesprächen angeregt werden, kann hingegen warmweißes Licht förderlich sein. Eine dynamische Beleuchtung, die es zulässt die Farbtemperatur je nach Bedarf zu variieren, ist natürlich ein besonderer Clou für deine Räumlichkeit.

Neben der richtigen Farbtemperatur solltest Du auf eine ausreichende Beleuchtungsstärke, gemessen in Lux, achten. Für Klassenräume wird gemäß DIN EN 12464-1 eine Beleuchtungsstärke von 300 Lux empfohlen. Dieser Wert ist als absoluter Mindestwert zusehen. Für ein produktives Arbeiten werden 500 Lux empfohlen, diese Beleuchtungsstärke gilt als Richtwert bei Fachräumen und Räumen in Abendschulen.5

Lernumgebung Beleuchtung

Gut zu wissen:
Beim Kauf einer Deckenleuchte wird der sogenannte Lichtstrom der Lampe in Lumen angegeben und ist nicht gleichbedeutend mit der Beleuchtungsstärke (Lux). Der Lux-Wert beschreibt die auf eine Fläche auftretende Beleuchtungsstärke (Helligkeit). Vereinfacht gesagt ist Lux damit Lumen pro Quadratmeter. Der Lux-Wert hängt vom Abstrahlwinkel der Leuchte und dem Abstand der Leuchte zum Boden bzw. Arbeitsplatz ab.6

 

Praxistipp:
Im Internet findest Du Rechner, um zu ermitteln wie viel Lumen bzw. wie viel Lampen zur Beleuchtung eines Raumes benötigt werden.  Einen sehr einfach gehaltenen Rechner findest Du z. B. hier (Link). 

Weitere Tipps zur Beleuchtung:

  • Achte darauf die Tafel (falls vorhanden) separat und gleichmäßig zu beleuchten (mind. 500 Lux).
  • Whiteboards kommen mit weniger Licht aus und sind anfälliger für Reflexionen des Lichts. Deshalb achte darauf, Whiteboards nicht zu hell auszuleuchten.
  • Richte Schreibtische im 90 Grad Winkel zu den Fenstern aus damit Tageslicht seitlich auf die Tische fällt. So nutzt Du am besten das Tageslicht aus.

Weitere ausführliche Informationen findest Du z.B. in dieser Publikation: „Lichtwissen 02 – Besser lernen mit Licht“  der Fördergemeinschaft Gutes Licht.

Raumklima

Für ein optimales Raumklima wird eine Temperatur von 20 bis 24 °C und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 65 % empfohlen.4 Du hast keine Ahnung wie hoch die Luftfeuchtigkeit in deinen Räumen ist? Kein Problem, denn kleine Messgeräte zur Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit (sogenannte Thermo-Hygrometer) sind schon ab 10 Euro bspw. auf Amazon erhältlich. Zum Denken brauchen wir neben der richtigen Temperatur und Feuchtigkeit vor allem eins: gute Luft. Um sich konzentrieren zu können, benötigt unser Gehirn genügend Sauerstoff. Besonders bei mehreren Schülern/innen in einem Raum steigt die CO2-Konzentration im Verlauf der Unterrichtsstunde stark an. Die Folgen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsverlust. Deshalb ist regelmäßiges Lüften das A und O für ein gutes Raumklima.

Praxistipp: Zimmerpflanzen steigern nicht nur das Wohlbefinden, sondern verbessern auch das Raumklima. Grünpflanzen können Schadstoffe binden, CO2 aufnehmen und Sauerstoff spenden sowie die Luft befeuchten. Sogar die NASA hat diesen Effekt vor einigen Jahren erforscht, denn auch Astronauten freuen sich über ein angenehmes Raumklima. Laut dieser Studie sind die folgenden Zimmerpflanzen die besten Luftreiniger:  Efeu, Blattfahne, Bogenhanf, Birkenfeige, Drachenbäume, Chrysantheme, Grünlilie, Efeutute, Baumfreund.7

 

Möbel

Ziel sollte es sein, den Schülern/innen einen möglichst ergonomischen Arbeitsplatz zu bieten. Für gesundes Sitzen bei Kindern gelten dieselben Faustregeln wie bei Erwachsenen. Knie wie auch Ellenbogen sollten beim Sitzen am Tisch mindestens einen Winkel von 90 Grad bilden. Natürlich ist es für eine Nachhilfeschule schwierig und aufwendig den Arbeitsplatz an jeden Nachhilfeschüler individuell anzupassen. Ein beweglicher und höhenverstellbarer Stuhl oder sogar Tisch sind hierbei besonders vorteilhaft. 

Weiterführende Informationen findest Du z. B. in der Publikation „Richtig sitzen in der Schule Mindestanforderungen an Tische und Stühle in allgemein bildenden Schulen“ der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung).

 

Sauberkeit und Ordnung

Zu einer gelungenen Raumgestaltung gehört natürlich auch Ordnung in den Räumen und auf den Tischen sowie eine grundlegende Sauberkeit in deiner gesamten Nachhilfeschule. Dabei sollten die Toiletten z. B. nicht außer Acht gelassen werden, denn das Gesamtbild zählt!

In diesem Beitrag wurde die Raumgestaltung fokussiert, doch auch die Raumausstattung in Form des Einsatzes von Lernmedien ist eine spannende Thematik. Damit einher geht das häufig diskutierte Thema der Digitalisierung. In einem weiteren Beitrag möchte ich mich also mit der Frage beschäftigen: Was bedeutet Digitalisierung für eine Nachhilfeschule?

Quellenverzeichnis

(1) Steelcase (Hrsg.) (o. J.): Wie die Raumgestaltung den Lernerfolg beeinflusst. Online verfügbar unter https://www.steelcase.com/eu-de/forschung/artikel/themen/bildung/wie-die-raumgestaltung-den-lernerfolg-beeinflusst/, zuletzt geprüft am 12.10.2020.

(2) Skorsetz, Nina; Bonanati, Marina; Kucharz, Diemut (Hg.) (2020): Diversität und soziale Ungleichheit. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

(3) Bräuer, Fischer; Fischer, Karl Albert (2016): Wie Licht und Farben Einfluss nehmen. In: Weiterbildung 2016 (5), S. 18–21. Online verfügbar unter https://www.weiterbildung-zeitschrift.de/archiv-weiterbildung/fex/magazine/download/-/3375.html.

(4) Goethe-Institut Warschau (Hrsg.) (o. J.): Ratgeber zur Gestaltung von Klassenräumen. Online verfügbar unter https://www.goethe.de/resources/files/pdf165/gi-dhk-ratgeber-1-de.pdf.

(5) Fördergemeinschaft Gutes Licht (2012): Besser lernen mit gutem Licht. Frankfurt am Main: Fördergemeinschaft Gutes Licht (licht.wissen, 2).

(6) https://www.energie-umwelt.ch/definitionen/1383-lumen-und-lux

(7) https://www.zentrum-der-gesundheit.de/artikel/umwelt/luftqualitaet-pflanzen-ia

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